Müde Veilchen lassen sich von Gießen vorführen

22 Punkte von Aubrey Dawkins reichten nicht zum Sieg gegen Gießen. Bild: Swen Pförtner

7. April 2021 – Die BG Göttingen hat nur zwei Tage nach der guten Leistung gegen den Tabellenführer Ludwigsburg einen schwachen Auftritt folgen lassen. Die Mannschaft von BG-Headcoach Roel Moors verlor am Mittwochabend gegen die JobStairs GIESSEN 46ers 79:98 (47:47). Zuschauer waren in der Sparkassen-Arena aufgrund der Corona-Pandemie weiterhin nicht zugelassen. Beide Mannschaften bewegten sich zunächst auf Augenhöhe, doch den Gästen aus Hessen war anzumerken, dass sie ihre kleinen Chancen, den Ligaverbleib doch noch zu schaffen, nutzen wollten. So zogen die Gießener immer wieder mit kleinen Läufen davon, aber die Südniedersachsen hatten Antworten parat und hielten die Partie in der ersten Halbzeit ausgeglichen. In der zweiten Hälfte ließen die Göttinger dann in schweren Phasen die Köpfe hängen und hatten nicht die Kraftreserven, sich aus ihrem mentalen Loch zu befreien. Die ausgeruhteren 46ers bauten ihren Vorsprung ab der 23. Minute Stück für Stück aus – die Moors-Truppe konnte nicht mehr dagegenhalten und verlor am Ende deutlich. Bester Veilchen-Werfer war Aubrey Dawkins mit 22 Punkten. Für Gießen traf Ferdinand Zylka am häufigsten (23 Zähler).

Die Veilchen, die weiterhin auf ihren Kapitän Akeem Vargas (Sprunggelenksverletzung) verzichten mussten, starteten mit einem Dreier von Rihards Lomazs in die Partie, doch die hessischen Gäste konterten mit fünf Punkten in Folge von Scottie James Jr. zum 3:5 (2.). Beide Mannschaften bewegten sich auf Augenhöhe, weil die Gießener intensiv verteidigten und die Göttinger Probleme hatten, in einen Offensiv-Rhythmus zu kommen. Das Duell blieb bis Mitte des Abschnitts ausgeglichen (13:13), doch dann bekamen die Hausherren schon Foulprobleme, weil Tai Odiase und Mathis Mönninghoff kurz nacheinander ihr jeweils zweites Foul kassierten. Die Gießener hatten durch ihren Erfolg gegen Bayern München sichtlich Selbstvertrauen getankt und zeigten sich treffsicher, während die BG verunsichert wirkte. So zogen die 46ers durch einen 0:10-Lauf auf 13:23 davon (8.). Aber die Veilchen fingen sich zum Viertelende wieder ein wenig und verkürzten angeführt von Deishuan Booker auf 24:28.

Im zweiten Abschnitt setzten die Göttinger ihre gute Phase fort und glichen durch Luke Nelsons Dreier zum 32:32 aus (13.). Doch die Mannschaft von 46ers-Headcoach Rolf Scholz ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen und zog schnell wieder auf 34:41 davon, sodass Moors seine zweite Auszeit in dieser Hälfte nahm (16.). Obwohl sich die Veilchen sichtlich schwertaten, schafften sie es an die Hessen dranzubleiben. Odiase brachte sein Team auf 38:41 heran (18.). Kurz darauf schloss Lomazs einen Schnellangriff zum 40:41 ab, sodass auch Scholz seine zweite Auszeit nahm (19.). Zwar brachte Dawkins die Gastgeber durch einen Dreier wieder in Front, doch Zylka antwortete zum 43:44 (19.). In die Pause ging es ausgeglichen 47:47.

Nach dem Seitenwechsel blieb die Partie bis zur 23. Minute eng (53:51). Doch während die Gießener dann wieder sicherer trafen, fielen bei den Veilchen die Würfe nicht mehr. So zogen die Gäste erneut auf 53:61 davon (25.). Die Göttinger schafften es kurzzeitig, die Hessen nicht noch weiter wegziehen zu lassen (59:64/26.), aber die Moors-Truppe agierte zu unkonzentriert. Bei den 46ers wurde das Selbstvertrauen immer größer. Vor allem von jenseits der 6,75-Meter-Marke war das Scholz-Team nicht zu stoppen und baute seinen Vorsprung durch einen 0:12-Lauf bis zum Viertelende auf 59:76 aus.

Die Veilchen waren nun vollkommen von der Rolle. Die Hessen, die zwei Tage länger Pause hatten als die BG, waren spritziger, während die Göttinger fast immer einen Schritt zu spät kamen. Lomazs erlöste sein Team und traf zwei Dreier hintereinander zum 65:80 (34.). Die anschließende Scholz-Auszeit wirkte, denn seine Mannschaft brachte wieder mehr Energie und vergrößerte ihren Vorsprung auf 23 Zähler (67:90/37.). Die Gastgeber mühten sich zwar, es wollte aber nichts funktionieren. Zwar schafften sie es in den Schlussminuten noch, den Rückstand etwas zu verkürzen – in Reichweite kamen die Göttinger aber nicht mehr.

Stimmen zum Spiel
Roel Moors (Headcoach BG Göttingen): „Ich bin natürlich sehr, sehr enttäuscht. Ich habe heute nicht das Team der vergangenen Wochen gesehen. Ich habe ein Team gesehen, dass von Anfang an nicht im Spiel war, mit sehr wenig Energie gespielt hat, aber trotzdem im Spiel geblieben ist. Dann machen wir ein, zwei Fehler und mental kommt nichts mehr, so wie uns das auch schon vor ein, zwei Monaten passiert ist. An erster Stelle war es mental eine sehr schwache Leistung.“

Rolf Scholz (Headcoach JobStairs GIESSEN 46ers): „Großes Kompliment an unsere Mannschaft. Wir haben heute über vier Viertel die richtige Energie aufs Feld gebracht. Wir hatten über die ganze Saison gerade im dritten Viertel Probleme – das war heute eines unserer besten Viertel. Wir sind sehr zufrieden mit diesem Sieg. Mit Ausschlag gebend war, dass wir für unsere Verhältnisse sehr, sehr solide verteidigt haben, nicht sehr viele freie offene Würfe zugelassen haben und im Angriff die Last auf mehreren Schultern verteilt haben. Der Sieg ist für uns sehr wichtig.“

BG Göttingen – JobStairs GIESSEN 46ers 79:98 (47:47)
Die Viertel im Überblick: 24:28, 23:19, 12:29, 20:22
BG Göttingen: Booker (9 Punkte/2 Dreier, 7 Assists), Weidemann (9/2), Nelson (9/1), Onwuegbuzie, Kramer (2), Omuvwie, Lomazs (18/4), Mönninghoff (7/1, 5 Rebounds), Kamp, Odiase (3), Dawkins (22/4).
JobStairs GIESSEN 46ers: Stark (7 Punkte/1 Dreier), Hamilton, Kraushaar, Köpple, Pjanic (12/2), Zylka (23/6), Garrett (14/3, 7 Assists), Brown, James Jr. (18, 13 Rebounds), Thomas (7/1), Bryant (15/3).