BG besiegt Favorit Bayreuth

Göttingens Kapitän Michael Stockton (rechts) gewann das Spielmacher-Duell gegen Bayreuths Kyan Anderson (links). Bild: Marcus Förster

6. April 2019 – Die BG Göttingen hat ihre Niederlagenserie in der easyCredit Basketball Bundesliga mit einem Überraschungserfolg beendet. Am Samstagabend gewann die Mannschaft von BG-Headcoach Johan Roijakkers bei medi bayreuth 78:75 (42:35). Die 3.136 Zuschauer in der Bayreuther Oberfrankenhalle sahen ein spannendes Spiel, in dem der Underdog aus Südniedersachen den größten Teil der Spielzeit in Führung lag. Mitte des letzten Viertels bäumten sich die Gastgeber aber noch einmal auf und gingen 71:72 in Front (37.). Doch die Gäste aus der Leinestadt wurden nicht nervös, holten sich die Führung zurück und verteidigten diese bis zum Schluss. Bester Veilchen-Werfer war Kapitän Michael Stockton mit 18 Punkten. Für Bayreuth traf Adonis Thomas am häufigsten (17 Zähler).

Die Veilchen starteten mit viel Energie in die Partie und gingen durch einen 7:0-Lauf 9:3 in Front (4.). Die Bayreuther brauchten ein paar Minuten, um mit den gut aufgelegten Göttingern mitzuhalten und kamen durch einen Dreier von Kyan Anderson auf 13:11 heran (6.). Die Roijakkers-Truppe hielt die Hausherren zunächst auf Abstand, litt aber unter ihrer ausbaufähigen Dreier-Trefferquote. So glichen die Franken durch einen Dreier von Bastian Doreth zum 15:15 aus und schickten die BG mit einem knappen 19:20-Rückstand in die Viertelpause.

Auch der Start in den zweiten Abschnitt gelang den Gästen, die sich die Führung zurückholten und durch Mathis Mönninghoff auf 27:22 ausbauten. Allerdings schafften es die Bayreuther erneut, die Partie eng zu halten und verkürzten auf 31:30 (16.). Die Veilchen glichen ihre geringe Dreier-Trefferquote (28 Prozent) durch gute Verteidigung und wenige Ballverluste aus. Nur noch fünf Zähler erlaubten sie ihrem Gegner bis zur Halbzeitpause und erzielten noch elf zur 42:35-Führung.

Nach dem Seitenwechsel zeigte die Mannschaft von medi-Headcoach Raoul Korner, dass sie die Partie noch lange nicht verloren gab. Durch einen 0:7-Lauf glichen die Gastgeber zum 42:42 aus (22.). Die ersten BG-Zähler in dieser Hälfte erzielte Carter zum 44:42. Die Göttinger intensivierten dann wieder ihre Verteidigung. Nach einem Steal schloss Penny Williams den folgenden Schnellangriff zum 46:42, obwohl er dabei unsportlich gefoult wurde. Den fälligen Freiwurf verwandelte der US-Guard zum 47:42 (25.). Das Duell blieb aber eng, weil die Franken ihre Qualität aufblitzen ließen. So verhinderten die Hausherren, dass sich die BG entscheidend absetzte und blieben dran (55:53/28.). Aber die Veilchen spielten weiterhin ohne Furcht und bauten ihren Vorsprung durch den wieder genesenen Mihajlo Andric zur höchsten Führung aus (61:53/29.). Vor dem Start des Schlussviertels lagen die Gäste 63:57 in Front.

Im letzten Abschnitt hielten zunächst Williams und Mönninghoff den Favoriten durch ihre Dreier zum 66:59 und 71:64 auf Abstand (34.). Aber den Bayreuthern war bewusst, dass sie einen Sieg brauchten, um im Playoff-Rennen zu bleiben. Durch einen 0:8-Lauf holten sich die Franken die erste Führung seit dem ersten Viertel (71:72/37.). Zwar trafen die Veilchen wenige Dreier, aber wichtige. Andric holte die BG-Führung von jenseits der 6,75-Meter-Linie zurück, und Darius Carter baute diese nach Alley-Oop-Anspiel von Stockton auf 76:72 aus (39.). Doch das Duell war nichts für schwache Nerven, weil Thomas 35 Sekunden vor Schluss von außen auf 76:75 verkürzte. Aber die Göttinger konnten sich einmal mehr auf ihren Kapitän Stockton verlassen, der 9,6 Sekunden vor dem Ende die wichtigen Zähler zum 78:75 markierte. Der letzte Dreier-Versuch der Bayreuther fand sein Ziel nicht.

Stimmen zum Spiel:

Johan Roijakkers (Headcoach BG Göttingen): „Ich freue mich natürlich sehr für meine Mannschaft und für meinen Staff, die wirklich täglich in der Halle stehen und unglaublich hart arbeiten. Sie verdienen natürlich einen Sieg, aber es ist oft schwierig. Wir haben immer vor 40 Minuten durchzuhalten. Heute war es wieder sehr knapp am Ende, aber Michael Stockton hatte einen sehr guten Spielzug. Ich denke, dass wir verdient gewonnen haben, denn wir haben besser auf den Ball aufgepasst. Außerdem bin ich der Meinung, dass wir cleverer gespielt haben in vielen Momenten, und damit meine ich nicht nur Stockton.“

Raoul Korner (Headcoach medi bayreuth): „Bei uns merkt man die Verunsicherung an allen Ecken und Enden. Wie zum Beispiel in der Offensive. Von den 32 Dreiern, die wir genommen haben, war einer gut gedeckt und alle anderen waren frei und fallen trotzdem nicht rein. Wir haben letztendlich doch irgendwie das Momentum, indem wir uns in die Partie hineinkämpfen und gehen mit einem Punkt in Führung. Danach folgen fünf Ballverluste in Serie. Es ist also schon eine klassische Verkrampfung vor dem Siegen. Man spürt es, man merkt es, und letztendlich werden wir ein Opfer davon. Vielleicht hilft es uns, dass wir jetzt dieses leidige Playoff-Thema ad acta legen können. Jetzt geht es im Endeffekt darum, wieder irgendwie diese Verkrampfung zu lösen und uns aus dem Tief rauszuarbeiten. Wir haben alles andere vor ,als diese Saison abzuschenken. Wenn am Ende die Playoffs stehen, freuen wir uns natürlich riesig darüber, aber wir haben im Moment ganz andere Sorgen. Ich glaube man hat heute gesehen, dass die Mannschaft als solche funktioniert und dass sie kämpft, aber wir spielen einfach nicht gut. Es ist im Moment für uns extrem schwierig einen Rhythmus zu finden, an den wir uns anhalten können. Wir haben jetzt noch acht Spiele Zeit. Jetzt ist es mehr eine Frage des Stolzes als eine Frage der Playoffs.“

medi bayreuth – BG Göttingen 75:78 (35:42)

Zuschauer: 3.136

Die Viertel im Überblick: 20:19, 15:23, 22:21, 18:15

BG Göttingen: Lockhart (11 Punkte), Albrecht (n.e.), Kramer (6), Williams (11/2 Dreier), Carter (4, 5 Rebounds), Andric (7/2), Mönninghoff (8/2), Stockton (18, 7 Assists), Larysz (n.e.), Willis (8), Haukohl (2), Grüttner Bacoul (3/1).

medi bayreuth: Thomas (17 Punkte/2 Dreier), Robertson (10/2), Anderson (9/3), Doreth (3/1), Seiferth (8), Martin (9), Wachalski (n.e.), Hrovat (3, 5 Assist), Meisner, Brooks (9/1), Raivio (7/1, 7 Rebounds), Krug (n.e.).