Gegensatz: Veilchen empfangen erst Spitzenreiter, dann Schlusslicht

MVP-Kandidat Jaleen Smith (links) konnten die Veilchen um Center Tai Odiase (rechts) im Hinspiel nicht stoppen, er kam auf 24 Punkte. Bild: Pressefoto Baumann

1. April 2021 – Nach drei Siegen in Folge hat sich die BG Göttingen in der easyCredit BBL-Tabelle Stück für Stück nach oben gearbeitet und ist nun in der Verfolgergruppe auf die Playoff-Plätze angekommen. Drei Siege Rückstand hat die Mannschaft von BG-Headcoach Roel Moors auf Rang acht und somit rechnerisch noch die Chance, sich für die Meisterschaftsrunde zu qualifizieren. Allerdings wartet am Ostermontag, 5. April, eine schwere Aufgabe auf die Südniedersachsen: Der Vizemeister und aktuelle Tabellenführer MHP RIESEN Ludwigsburg tritt in der Sparkassen-Arena ab 15 Uhr an (live auf MagentaSport). Gegensätzlicher könnte der darauffolgende Veilchen-Gegner kaum sein. Nur zwei Tage nach dem easyCredit BBL-Spitzenreiter empfängt die Moors-Truppe das Liga-Schlusslicht. Am Mittwoch, 7. April, sind die JobStairs GIESSEN 46ers in Göttingen zu Gast (20:30 Uhr, Sparkassen-Arena, live auf MagentaSport).

Im Hinspiel gegen Ludwigsburg – die Eröffnungspartie der easyCredit BBL-Saison 2020/21 – waren die Göttinger chancenlos, hielten nur ein Viertel mit und verloren deutlich 73:100. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht zu ahnen, wie konstant das Team von RIESEN-Headcoach John Patrick, der insgesamt sieben Jahre bei den Veilchen als Cheftrainer an der Seitenlinie stand, in dieser Spielzeit auftreten würde. Erst zwei Niederlagen mussten die Ludwigsburger hinnehmen – gegen den FC Bayern München (70:93) und die HAKRO Merlins Crailsheim (58:68). „Ludwigburg verteidigt sehr gut und hat unglaubliches Talent in der Offensive“, sagt BG-Co-Trainer Thomas Crab. „Die Spieler haben im Angriff viele Freiheiten.“

Die Konstanz der Schwaben wird ebenfalls deutlich, wenn man einen Blick auf Patricks Startaufstellungen wirft. Jaleen Smith, Jordan Hulls, Yorman Polas Bartolo und Tremmel Darden begannen in jedem der bisherigen 25 Spiele. Nach dem Abgang von Elias Harris (elfmal gestartet) hat Jonas Wohlfarth-Bottermann diesen in der Start-Fünf ersetzt (14 Mal gestartet). „Es ist schwer, nur einen Ludwigsburger Spieler herauszuheben“, so Crab. „Natürlich ist Smith wichtig, aber es gibt auch andere Akteure, die eine große Rollen spielen.“

Fast unverzichtbar sind Smith, Hulls und Polas Bartolo, die die längste Zeit aller RIESEN-Akteure auf dem Parkett stehen. Rund 35 Minuten lässt Patrick Smith im Schnitt auf dem Spielfeld; kein anderer easyCredit BBL-Spieler bekommt mehr Einsatzzeit. Diese nutzt der US-Guard, um pro Partie 17,0 Punkte zu erzielen, 5,9 Rebounds zu holen und 5,4 Assists zu geben – alles Spitzenwerte im Ludwigsburger Kader. Im Hinspiel konnten die Veilchen den MVP-Kandidaten nicht stoppen. Smith kam auf 24 Punkte, sieben Rebounds und fünf Assists. „Es wird nicht ausreichen, nur Smith zu stoppen. Hulls trifft unglaublich gut, Polas Bartolo und Darden spielen eine wichtige Rolle, und Wohlfarth-Bottermann ist ein herausragender Offensiv-Rebounder“, sagt der belgische Assistenz-Trainer.

Gleich in mehreren Statistik-Kategorien sind die Schwaben in der Spitzengruppe zu finden. Das Patrick-Team wirft am häufigsten von der Dreier-Linie auf den Korb (rund 30 Mal pro Spiel) und trifft am vierthäufigsten (rund elfmal). Außerdem holt es die meisten Offensiv-Rebounds (12,9 pro Partie), schafft die meisten Steals (8,1) und leistet sich die zweitwenigsten Ballverluste (11,0). „Im Angriff müssen wir diszipliniert spielen und dürfen uns von ihrer Verteidigung nicht beeindrucken lassen“, so Crab. „Defensiv müssen wir ihre talentierten Spieler im Eins-gegen-eins stoppen und beim Rebound sehr gut ausboxen.“

Nach nur einem Tag Verschnaufpause empfängt das Moors-Team dann die Gießener, die unbedingt einen Sieg benötigen, um den rettenden 16. Tabellenplatz noch zu erreichen. Schon zum dritten Mal treffen die beiden Mannschaften in dieser Spielzeit aufeinander. Sowohl das Vorrundenspiel im MagentaSport BBL Pokal (123:119), als auch das Liga-Hinspiel (92:90) entschieden die Veilchen für sich. In der ersten Partie des Jahres auf Seiten der BG noch nicht dabei war Rihards Lomazs; für Deishuan Booker war es das erste Spiel im Veilchen-Dress.

Auch bei den 46ers hat sich seit Anfang Januar etwas getan: Johannes Richter und Liam O’Reilly verließen den Klub; neu dazu kamen US-Guard Diante Garrett und US-Center Chad Brown. Garrett ist inzwischen bester Gießener Punktesammler (13,8 Zähler pro Spiel) vor Center John Bryant (13,4), US-Guard Jonathan Stark (12,4) und den beiden US-Forwards Brandon Thomas (11,2) und Brandon Bowman (10,4). Garrett gibt auch die meisten direkten Korbvorlagen (4,5 Assists); Stark kommt auf 4,3 Assists. Die meisten 46ers-Rebounds holt Bryant (7,2) gefolgt von Scottie James Jr. (5,1).

Das Team von 46ers-Headcoach Rolf Scholz, der den Posten im Dezember von Ingo Freyer übernahm, verfügt über viele gute Optionen in der Offensive, nimmt von allen easyCredit BBL-Mannschaften die zweitmeisten Würfe (66 pro Spiel) und erzielt im Schnitt 83,5 Punkte. Das Problem ist die Defensive: 94,5 Zähler gestatten die Hessen ihrem Gegner pro Partie. Für die Veilchen wird es darauf ankommen, nach dem Spiel gegen Ludwigsburg schnell zu regenerieren. Die Hessen empfangen bereits am Samstag den FC Bayern München und haben somit zwei Tage länger Zeit, um sich auf die Partie in Göttingen vorzubereiten.