Veilchen schrecken auch Berlin

Stephen Brown Jr. (rechts mit Berlins Maodo Lo) war in Berlin zweitbester Scorer. Bild: Andreas Knopf

24. Oktober 2021 – Die BG Göttingen setzt ihre Serie als Favoritenschreck fort. Die Mannschaft von BG-Headcoach Roel Moors gewann am Sonntagnachmittag beim deutschen Meister ALBA BERLIN 65:59 (33:35). Vor 3.776 Zuschauern in der Berliner Mercedes-Benz Arena zeigten die Gäste aus Göttingen in einem umkämpften Spiel vor allem in der Defensive eine überzeugende Leistung. Nachdem die Hauptstädter das erste Viertel für sich entschieden, holten sich die Südniedersachsen alle drei anderen Abschnitte. Entscheidend für den Erfolg war ein 12:1-Lauf zu Beginn des letzten Viertels. Bester BG-Werfer war Kamar Baldwin mit 18 Punkten. Für Berlin traf Oscar da Silva am häufigsten (17 Zähler).

Die Veilchen, bei denen erneut Haris Hujic (Oberschenkelprobleme) aussetzen musste, starteten gut in die Partie und hielten mit dem Favoriten mit. Nach Punkten von Philipp Hartwich zum 6:4, konterten die Berliner mit einem 0:5-Lauf und gingen zum ersten Mal in Front (6:9/6.). Zunächst blieben die Gäste an ALBA dran (9:10/7.), doch die Hausherren trafen durch Malte Delow ihren ersten Dreier und erarbeiteten sich einen Vorsprung (11:14/8.). Nach Moors‘ Auszeit lief es defensiv wieder etwas besser, doch den Abschnitt verlor die BG 11:16.

Ins zweite Viertel starteten die Göttinger mit einem Dreier von Jake Toolson; gleich danach glich Jeff Roberson zum 16:16 aus (12.). Hartwich schloss den 9:0-Lauf mit vier Punkten in Folge zum 20:16 ab und zwang ALBA-Headcoach Israel Gonzalez zu einer Auszeit (14.). Im Anschluss daran blieb die Partie eng; bei beiden Teams ließen die Dreierquoten zu wünschen übrig. Die Berliner trafen am Ende drei von 29 (10 Prozent), die Veilchen drei von 14 (21 Prozent). Nach einem Dreier von Maodo Lo antwortete Harper Kamp mit einem Drei-Punkte-Spiel zum 31:31 (19.). Zur Halbzeitpause betrug der BG-Rückstand zwei Zähler (33:35).

Vor allem Baldwin hatten die Berliner gut im Griff. Der Liga-Topscorer erzielte seine ersten Punkte nach dem Seitenwechsel zum 35:37 (22.). Mathis Mönninghoff glich die Partie wieder aus, und Stephen Brown Jr. brachte die Gäste in Führung (39:37/24.). Nach einer erneuten Gonzalez-Auszeit erzielte da Silva, der als einziger Berliner Spieler zweistellig punktete, vier Zähler in Folge zum 39:41. Weil der BG fast drei Minuten keine Zähler gelangen, nahm Moors wiederum eine Auszeit, auf die ein 6:1-Lauf seines Teams zum 45:44 folgte (29.). Vor dem Schlussabschnitt lagen die Göttinger nur einen Punkt zurück (45:46).

Im letzten Viertel drehte Baldwin dann auf. Der US-Guard erzielte zwölf Veilchen-Punkte in Folge und ließ sein Team auf 57:49 davonziehen – die höchste Führung einer der beiden Mannschaften in dieser Partie (36.). Aber die „Albatrosse“ erhöhten noch einmal den Druck, verteidigten über das ganze Feld und zwangen die BG zu Ballverlusten. Vor allem der amtierende Liga-MVP, Jaleen Smith, übernahm Verantwortung und brachte die Berliner auf 57:55 heran (39.). Doch die Veilchen bewahrten ihre Führung, weil Baldwin und Brown Lösungen fanden, den Vorsprung 14 Sekunden vor dem Ende wieder auf 63:55 ausbauten und den ersten BG-Erfolg in Berlin seit zwölf Jahren besiegelten.

Stimmen zum Spiel
Roel Moors (Headcoach BG Göttingen): „Wir haben in der Woche mit viel Respekt gesehen, was ALBA in der EuroLeague gemacht hat. Es war kein schönes Spiel heute. ALBA hat vielleicht Energie gefehlt. Aber ich bin trotzdem sehr froh über die Leistung meiner Mannschaft, die bis zum Ende gekämpft hat. Dass man ein Spiel mit 22 Ballverlusten und so vielen Fehlwürfen gewinnt, ist wohl ein Unikum. ALBA hat ebenfalls viel verworfen, aber wir haben defensiv auch einen guten Job gemacht. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir nach einem schwierigen Saisonstart gut reagiert haben.“

Israel Gonzalez (Headcoach ALBA BERLIN): „Glückwunsch an Göttingen, die ein sehr solides Spiel gemacht haben. Vor allem in der ersten Halbzeit haben sie den Ball sehr gut bewegt, so dass wir in der Defense oft zu spät kamen. Wir hatten große Probleme mit ihrem Pick-and-Roll. In der zweiten Halbzeit haben wir das besser verteidigt, aber wir haben 14 Freiwürfe und 26 Dreier verworfen. Mein Team hat ordentlich gearbeitet und guten Einsatz in der Defense gezeigt. Aber wir waren im Angriff mental nicht bereit genug für dieses Spiel. Es ist schwierig, gleichzeitig in der EuroLeague und der Bundesliga zu spielen mit so vielen Reisen und Spielen. Aber so wird die Situation für den Rest der Saison bleiben. Wir müssen uns besser darauf einstellen und mental für jedes Spiel bereit sein.“

ALBA BERLIN – BG Göttingen 59:65 (35:33)
Die Viertel im Überblick: 16:11, 19:22, 11:12, 13:20
Zuschauer: 3.776
BG Göttingen: Toolson (5 Punkte/1 Dreier), Bryant (10, 3 Assists), Roberson (2), Vargas, Hartwich (6, 8 Rebounds), Mönninghoff (2), Kamp (6), Dickey III (2), Brown Jr. (14), Giotis (n.e.), Baldwin (18/2).
ALBA BERLIN: Lo (9 Punkte/1 Dreier), da Silva (17), Smith (8), Delow (8/1), Mattisseck, Olinde (6/1), Koumadje, Thiemann (4), Sikma (5, 7 Rebounds), Peno (n.e.), Blatt (2, 4 Assists), Zoosman.