BG geht in Crailsheim die Kraft aus

Auf Harper Kamp war in Crailsheim Verlass. Bild: dieLICHTBUILDER Klamann & Bauer

26. April 2022 – Die BG Göttingen hat auch die zweite Partie ihrer langen Auswärtstour nicht für sich entschieden. Die Mannschaft von BG-Headcoach Roel Moors verlor am Dienstagabend bei den HAKRO Merlins Crailsheim 80:86 (40:37), sicherte sich aber den direkten Vergleich, der am Ende der Saison noch wichtig werden könnte. Die 1.789 Zuschauer in der Arena Hohenlohe sahen einen nervösen Beginn von beiden Teams und ein Offensiv-Feuerwerk der Gäste aus Südniedersachsen im zweiten Abschnitt. Nach dem Seitenwechsel merkte man den dezimierten Göttingern die starke Belastung an; den Crailsheimern hatten sie oft nicht genug entgegenzusetzen. Zum Ende der Partie zeigten die Veilchen ihr Kämpferherz und holten sich durch einen Kraftakt nach einem Zwölf-Punkte-Rückstand 37 Sekunden vor dem Ende doch noch den Direkt-Vergleich. Bester BG-Werfer war Harald Frey mit 25 Punkten. Für Crailsheim traf Terrell Harris am häufigsten (20 Zähler).

Den Veilchen, die neben Kamar Baldwin (Reha in den USA) auch weiterhin auf Jake Toolson (Gehirnerschütterung) verzichten mussten, war die Nervosität vor diesem wichtigen Duell anzusehen. Die Merlins machten es den Göttingern sehr schwer zu Punkten zu kommen, aber auch die Hausherren überzeugten nicht in der Offensive. In der 6. Minuten verwandelte Nate Grimes den dritten BG-Freiwurf zum 3:10 – die nächsten Zähler der Partie fielen mehr als eine Minute später: Frey traf zwei weitere Freiwürfe zum 5:10 (7.). Der Norweger war es auch, der den ersten Veilchen-Korb aus dem Feld und nicht von der Freiwurflinie erzielte – sein Dreier brachte die Gäste auf 8:12 heran (9.). Weil Harris aber sofort von außen konterte, betrug der BG-Rückstand zu Viertelpause sechs Zähler (9:15).

In den zweiten Abschnitt starteten die Göttinger mit viel mehr Selbstvertrauen. Drei Dreier in Folge von Frey und Mathis Mönninghoff brachten die Veilchen 18:15 in Front und zwangen Merlins-Headcoach Sebastian Gleim zu seiner ersten Auszeit (12.). Doch in der Offensive lief es jetzt für die Gäste, vor allem weil Frey munter weiter von jenseits der 6,75-Meter-Marke traf. Rund drei Minuten später war die nächste Gleim-Auszeit fällig, da Roberson den BG-Vorsprung auf 25:19 ausgebaut hatte (14.). Die Hausherren fingen sich dann vor allem in der Offensive und kämpften sich auf 30:27 heran (16.). Fünf Punkte in Folge von Stephen Brown Jr. erhöhten den Göttinger Vorsprung auf acht Zähler (35:27/17.), doch die „Zauberer“ antworteten mit einem 3:10-Lauf zum 38:37 (20.). Den 40:37-Halbzeitstand stelle Mönninghoff mit zwei Freiwürfen her.

Nach dem Seitenwechsel blieb die Partie zunächst eng. Die Veilchen gingen immer wieder in Führung; die Crailsheimer glichen aus (44:44/25.). Mike Caffey brachte die Gastgeber zum ersten Mal seit Anfang des zweiten Viertel durch einen Dreier wieder in Front (46:47), doch Frey konterte direkt zum 48:47 (25.). Bei den Göttingern machten sich nun die Strapazen der langen Auswärtsreise und des engen Spielrhythmus bemerkbar. Mönninghoff musste sich von Krämpfen geplagt auswechseln lassen – in der Verteidigung reagierten die Gäste zu langsam. BG-Kapitän Akeem Vargas hielt sein Team durch einen Dreier zum 51:52 im Spiel, doch Ex-Veilchen Elias Lasisi antwortete prompt zum 51:55 (27.). Caffey ließ den Veilchen-Rückstand auf elf Zähler anwachsen (51:62); ins Schlussviertel gingen die Gäste mit einem 55:64-Rückstand.

Die Göttinger versuchten im letzten Abschnitt die Partie zu drehen und verkürzten durch einen Mönninghoff-Dreier auf 61:68 (34.). Kurz darauf musste der deutsche Forward aber wieder raus – die Krämpfe beendeten das Spiel für ihn. Seine Teamkollegen bemühten sich, den Rückstand zu reduzieren, was allerdings nicht gelang (63:70/35.). Immer wieder versuchte die BG Läufe zu starten, die aber durch den starken Harris zunichte gemacht wurden (70:82/39.). In der letzten Minute setzten die Veilchen ihre letzten Kräfte frei, um wenigstens den direkten Vergleich – das Hinspiel hatte die Moors-Truppe mit sieben Punkten Unterschied gewonnen – zu sichern. 37 Sekunden vor dem Ende sah es beim Stand von 74:86 nicht so aus, als ob dies noch gelingen würde, aber die BG zeigte ihr Kämpferherz. Zuerst traf Frey einen Dreier mit Foul und versenkte den fälligen Freiwurf zum 78:86. Dann zwangen die Göttinger Crailsheim zu einem Ballverlust – im Gegenzug traf Brown Jr. zum 80:86. Die BG-Verteidigung ließ keine Punkte mehr zu und erhielt durch diesen Kraftakt eine kleine Chance, am Ende der Hauptrunde doch auf dem achten Tabellenplatz zu stehen.

Stimmen zum Spiel
Roel Moors (Headcoach BG Göttingen): „Das war ein komplett verdienter Sieg. Ich habe bei Crailsheim einen viel größeren Willen gesehen als bei uns. Nur im zweiten Viertel hatten wir Chancen mit einem noch größeren Vorsprung in die Halbzeit zu gehen, aber das haben wir nicht genutzt. In der zweiten Halbzeit war Crailsheim viel aggressiver, wir haben nicht mit genug Intensität gespielt. Zu viele Spieler haben nicht ihre Stärken gezeigt. Wir waren immer dann gut, wenn wir sechs, sieben, acht Spieler hatten, die ihr Potential abgerufen haben. Das war heute nicht der Fall, bei Crailsheim schon. Deshalb war es ein verdienter Sieg.“

Sebastian Gleim (Headcoach HAKRO Merlins Crailsheim): „Wir hatten drei Ziele. Das erste: Unseren Basketball zu spielen mit unserer Energie, Leidenschaft und unserem Willen. Das haben wir erreicht, aber wir hatten zu viele Ballverluste, die uns die Chance genommen haben, uns abzusetzen. Deswegen war es bis zum Ende immer ein sehr, sehr knappes Spiel. Unser zweites Ziel war es, das Spiel unbedingt zu gewinnen, das haben wir geschafft. Unser drittes Ziel, den direkten Vergleich zu gewinnen, haben wir nicht erreicht. Das sagt uns aber, dass wir in der letzten Phase, wo wir sicherlich die Chance hatten, den Ball trotz Druck nach vorne zu bewegen, einen Tick ruhiger werden müssen. Das wichtigste Ergebnis ist aber, dass wir es in den letzten drei Spielen in der eigenen Hand haben. Nach dem ohnehin schon großartigen Jahr mit Pokalfinale und FIBA Europe Cup Viertelfinale können wir mit einem Schlussspurt die Playoffs erreichen. Bei den Heimspielen brauchen wir jeden Fan. Nicht nur die Bude muss brennen, jeder Sitz muss brennen, um dieses kleine Comeback-Wunder zu schaffen.“

HAKRO Merlins Crailsheim – BG Göttingen 86:80 (37:40)
Die Viertel im Überblick: 15:9, 22:31, 27:15, 22:25
Zuschauer: 1.789
BG Göttingen: Martin (5 Punkte/1 Dreier, 8 Rebounds, 4 Assists), Frey (25/6, 4 Assists), Roberson (6), Vargas (3/1), Hujic (n.e.), Hartwich, Mönninghoff (10/2, 8 Rebounds), Kamp (18), Brown Jr. (10), Grimes (3), Giotis (n.e.).
HAKRO Merlins Crailsheim: Lewis (12 Punkte/1 Dreier, 7 Rebounds), Stuckey (12/2), A. Kovacevic (n.e.), Lasisi (5/1), Harris (20/3, 4 Assists), Bleck (8), Kindzeka (n.e.), D. Kovacevic (n.e.), Radosavljevic (2), Gudmundsson, Aririguzoh (9), Caffey (18/2).